Innere Ruhe finden in Umbruchphasen
Silke Tsafrir • 28. Januar 2026
Warum Stabilität nicht im Außen entsteht – sondern in dir
Umbruchphasen gehören zum Leben. Manchmal kündigen sie sich an oder sind absehbar, und manchmal treffen sie uns völlig unerwartet. Das kann ein neuer Lebensabschnitt sein, Veränderungen im Job, familiäre Umstellungen, wie der Auszug der Kinder, gesundheitliche Themen, wie z.B. auch Wechseljahrsbeschwerden oder das Gefühl, dass das Alte nicht mehr passt – aber das Neue noch nicht greifbar ist.
All diese Phasen haben eines gemeinsam: Sie verunsichern, machen Angst, und sie bringen uns innerlich in Bewegung, weil wir uns in diesen Phasen aus unserer Komfortzone herauswagen müssen.
Viele Menschen reagieren auf Umbrüche mit Aktionismus. Sie versuchen, schnelle Lösungen zu finden, Entscheidungen zu treffen und Klarheit herzustellen. Doch genau das führt oft zu noch mehr innerer Unruhe. Denn echte Stabilität entsteht nicht durch schnelleres Handeln – sondern durch inneres Innehalten, Beobachten und sich orientieren.
Warum Umbruchphasen uns so fordern
In Zeiten des Wandels verlieren wir etwas, das uns Sicherheit gibt, nämlich unsere Gewohnheiten. Das Bekannte fällt weg, Routinen verändern sich, Zukunftsbilder lösen sich auf. Unser Nervensystem reagiert darauf mit Stress, die Gedanken kreisen wie wild, Sorgen nehmen zu und der Schlaf wird unruhiger.
Das ist eine völlig natürliche Reaktion. Unser System sucht Halt. Und oft suchen wir diesen Halt krampfhaft im Außen: Wir versuchen, Pläne zu machen, um die Kontrolle zu bewahren oder fragen andere nach ihrer Meinung. Doch je instabiler die Situation im Außen ist, desto wichtiger wird ein stabiler innerer Anker, nämlich die Verbindung zu sich selbst.
Innere Ruhe ist kein Zustand – sondern eine Fähigkeit
Innere Ruhe bedeutet nicht, dass alles geklärt oder entschieden ist. Sie bedeutet auch nicht, dass wir keine Angst oder Zweifel haben. Innere Ruhe ist vielmehr die Fähigkeit, mit dem, was gerade ist, präsent zu bleiben, ohne innerlich dagegen anzukämpfen.
Gerade in Umbruchphasen ist Achtsamkeit ein kraftvoller Wegbegleiter, um den Wandel bewusst zu durchschreiten und um abwägen zu können, was der nächste sinnvolle Schritt sein kann.
Achtsamkeit hilft uns,
- den Kontakt zu uns selbst nicht zu verlieren
- Gefühle wahrzunehmen, ohne von ihnen überwältigt zu werden
- Klarheit aus der Stille heraus entstehen zu lassen
Vom Reagieren ins Spüren kommen
Viele Frauen, mit denen ich arbeite, beschreiben ein ähnliches Gefühl: „Ich funktioniere, aber innerlich bin ich unruhig und leer.“ Achtsamkeit lädt dazu ein, aus dem permanenten Reagieren auszusteigen und wieder ins Spüren zu kommen.
Ein einfacher erster Schritt kann sein, dir im Alltag bewusst kleine Stopps zu erlauben:
- ein paar bewusste Atemzüge
- einen Moment, in dem du dich fragst: Wie geht es mir gerade wirklich?
- innezuhalten, bevor du eine Entscheidung triffst
Diese kleinen Unterbrechungen schaffen Raum. Und in diesem Raum kann sich etwas beruhigen – oft ganz von selbst, und es entsteht Präsenz und Verbindung zu dir selbst. Dadurch kannst du auch wieder klarer sehen.
Das Nicht-Wissen aushalten lernen
Eine der größten Herausforderungen in Umbruchphasen ist das Nicht-Wissen. Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Und genau das erzeugt inneren Druck. Achtsamkeit lädt uns ein, dieses Nicht-Wissen nicht sofort auflösen zu müssen, sondern damit zu sein und zu lernen, dem Prozess zu vertrauen, Schritt für Schritt und Atemzug für Atemzug.
Innere Ruhe entsteht oft dann, wenn wir aufhören, sofort Antworten erzwingen zu wollen – und beginnen, dem inneren Prozess Zeit zu geben.
Achtsame Rituale als Halt im Wandel
Gerade wenn im Außen vieles wackelt, sind kleine, verlässliche Rituale eine große Unterstützung. Sie signalisieren unserem Nervensystem: Es ist ok, es ist sicher, ich bin da.
Das können sein:
- eine kurze Morgen- oder Abendmeditation
- ein achtsamer Spaziergang
- bewusstes Atmen vor dem Schlafengehen
- Schreiben, um Gedanken zu ordnen
Diese Rituale müssen nicht perfekt sein, du kannst hier kreativ sein und tun, was zu dir passt. Es geht um liebevolle Zuwendung zu dir selbst.
Umbruch als Einladung zur inneren Neuorientierung
So herausfordernd Umbruchphasen sind – sie tragen auch eine große Chance in sich. Sie laden uns ein, innezuhalten und ehrlich hinzuschauen:
Was passt nicht mehr?
- Was darf gehen?
- Was möchte ich beibehalten?
- Was will ich wirklich?
- Was kann ich tun, um das Neue entstehen zu lassen?
Innere Ruhe hilft uns, diese Fragen nicht aus Angst, sondern aus Klarheit heraus zu beantworten. Sie macht es möglich, Entscheidungen zu treffen, die wirklich aus uns selbst kommen – nicht aus Druck oder Erwartungen anderer.
Ruhe entsteht “im Dazwischen”
Innere Ruhe finden in Umbruchphasen bedeutet nicht, alles sofort zu verstehen oder zu lösen. Es bedeutet, dir selbst in dieser Zeit eine verlässliche Begleiterin zu sein.
Wenn du lernst, mit Achtsamkeit durch Zeiten des Wandels zu gehen, entsteht etwas Wertvolles: Vertrauen in dich, deinen eigenen Weg und letztendlich in das Leben. Und manchmal ist genau das die größte Stabilität, die wir haben können.
Gerne begleite ich dich auf deinem Weg zur Achtsamkeit und inneren Ruhe. Hier
findest du mehr Info zum MBSR Kurs.
Alles Liebe,
Silke











