Risiken von MBSR - Was du vorher wissen solltest

Silke Tsafrir • 19. August 2025
MBSR kann heilsam und transformierend sein – aber ist es wirklich für jeden geeignet?
In den letzten Jahren ist das Achtsamkeitstraining MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction = Stressbewältigung durch Achtsamkeit) immer bekannter geworden – und das aus gutem Grund. Studien zeigen, dass MBSR bei Stress, Schlafproblemen, Ängsten und sogar chronischen Schmerzen helfen kann und auch Burnout vorbeugen kann. In meinen Kursen sehe ich regelmäßig, wie tiefgreifend Achtsamkeit wirkt.

Doch: So wohltuend MBSR sein kann – wie jede wirkungsvolle Methode hat auch Achtsamkeit Grenzen und mögliche Herausforderungen. Hier möchte ich dir einen ehrlichen und differenzierten Einblick geben, damit du gut informiert entscheiden kannst, ob ein MBSR-Kurs aktuell das Richtige für dich ist.

Was ist MBSR überhaupt?
Das MBSR-Programm wurde in den 1970er Jahren von Jon Kabat-Zinn entwickelt und ist heute weltweit etabliert. Es verbindet achtsamkeitsbasierte Meditationen, sanfte Körperübungen und Reflexion mit dem Ziel, Stress bewusst zu begegnen – anstatt ihn zu bekämpfen oder zu verdrängen.

In einem typischen MBSR-Kurs (8 Wochen mit 8 wöchentlichen Treffen à ca. 2,5 Stunden + 1 Achtsamkeitstag à 5 Stunden und regelmäßiger Übungszeit zu Hause) geht es nicht darum, sich zu „entspannen“ oder „positiv zu denken“, sondern die Dinge wahrzunehmen, wie sie sind – auch wenn sie manchmal unangenehm sind. Und genau hier liegt auch die größte Kraft, aber auch eine gewisse Herausforderung und die Risiken von MBSR:

1. Konfrontation mit schwierigen Gefühlen
Viele Menschen beginnen mit Achtsamkeit, um „runterzukommen“ oder Stress zu reduzieren – und sind überrascht, wenn plötzlich "alte" Gefühle, Erinnerungen oder verdrängte Themen auftauchen.

Warum das passiert?
MBSR schult dich darin, mit mehr Aufmerksamkeit nach innen zu schauen – und das bedeutet auch, dass du in Kontakt kommst mit dem, was vielleicht lange unterdrückt wurde und was unangenehm ist.

Was das bedeutet:
Wenn du aktuell in einer psychisch instabilen Phase bist oder schwerwiegende Traumata (noch unbearbeitet) in dir trägst, kann das Achtsamkeitstraining herausfordernd sein oder sogar überfordernd wirken. In solchen Fällen solltest du mit deinem Arzt oder deiner Therapeutin Rücksprache halten.

2. Erhöhter Leistungsdruck: „Ich sollte achtsamer sein“
Achtsamkeit bedeutet, dich selbst wohlwollend, freundlich und so wertfrei wie möglich zu betrachten. Doch gerade am Anfang kann genau das passieren: Du setzt dich unter Druck, „richtig“ zu meditieren oder „achtsamer“ zu sein – und ärgerst dich, wenn dein Geist abschweift oder du keine Entspannung spürst oder sogar das Gefühl bekommst, es geht dir nach der Übungspraxis eher schlechter als vorher.

Was das bedeutet:
MBSR ist kein Selbstoptimierungstool. Es geht nicht darum, etwas perfekt zu machen, sondern ehrlich wahrzunehmen, was da ist – mit Neugier, Geduld und Mitgefühl. Wenn du dich ertappst, dir innerlich Druck zu machen, ist das schon der erste achtsame Moment.

3. Der Zeitaufwand
Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird: MBSR ist ein Training – und wie jedes Training braucht es regelmäßige Übung. Die tägliche Praxis - der Begründer Jon Kabat-Zinn empfiehlt 30–45 Minuten - kann im vollen Alltag eine Herausforderung sein, vor allem für berufstätige Frauen mit Familie.

Was das bedeutet:
Du brauchst kein perfektes Zeitmanagement, aber die Bereitschaft, dir regelmäßig bewusst Zeit für dich selbst zu nehmen, auch wenn du zunächst einmal mit kürzeren Einheiten, wie z.B. 10-20 Minuten startest. Achtsamkeit wächst nicht durch Wissen, sondern durch regelmäßige Übung.

4. Nicht für jede Lebensphase geeignet
Es gibt Lebensphasen, in denen eine strukturierte Achtsamkeitspraxis zu viel sein kann: nach einem frischen Verlust, bei akuten Depressionen oder in einer tiefen Lebenskrise. In solchen Momenten braucht es oft erst Stabilisierung, Halt und therapeutische Begleitung, bevor Achtsamkeit heilsam wirken kann.

Was das bedeutet:
MBSR ersetzt keine Psychotherapie. Es kann begleitend sehr sinnvoll sein und wird heutzutage auch oft ergänzend zur Therapie von Therapeuten empfohlen. Bei schweren psychischen Erkrankungen ist ärztlicher oder therapeutischer Rat vor einem Beginn mit Achtsamkeitstraining unerlässlich, da wir eben in der Meditationspraxis mit uns selbst und auch schwierigen Gedanken oder Gefühlen konfrontiert werden können.

Was spricht dennoch für MBSR?
Trotz dieser Risiken von MBSR, ist das Programm eine wunderbare Methode, um dir selbst näher zu kommen – wenn der richtige Zeitpunkt dafür ist. Viele Menschen berichten nach dem Kurs:
  • Dass sie sich wieder spüren können,
  • Dass sie liebevoller mit sich umgehen,
  • Dass sie Stress nicht mehr als Gegner, sondern als Signal verstehen,
  • und dass sie im Alltag wieder kleine Inseln der Ruhe finden.
Wichtig ist: Achtsamkeit ist kein „Wundermittel“, sondern ein Weg. Ein Weg, der manchmal herausfordernd, aber vor allem befreiend sein kann und der auch länger dauern kann. Es braucht hier vor allem auch Geduld, Wohlwollen und Mitgefühl mit sich selbst.

Sei ehrlich mit dir – und achtsam mit deiner Entscheidung
Ein MBSR-Kurs ist ein Geschenk an dich selbst – aber kein Allheilmittel. Prüfe ehrlich, wie es dir gerade geht und ob du dich stabil genug fühlst, dich dir selbst in Ruhe zuzuwenden. Und wenn du unsicher bist, sprich mich gern an – gemeinsam können wir schauen, ob der Kurs zum jetzigen Zeitpunkt für dich passt.

Denn Achtsamkeit beginnt mit einem einzigen Schritt: der bewussten Entscheidung für dich. 
Wenn du noch Fragen hast oder überlegst, ob MBSR das Richtige für dich ist, melde dich gerne für ein unverbindliches Infogespräch – ich freue mich auf dich!

Alles Liebe, Silke


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